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Konschtkëscht ?

Tétange, Mai 2011: Ein Anruf von einem Journalisten vom Saarländischen Rundfunk: „Wir recherchieren zum Thema Medienkunst in der Großregion und sind auf Ihr Projekt aufmerksam geworden!“

Konschtkëscht

Holla, der SR interessiert sich für unsere Konschtkëscht, ein Projekt, dessen Namen er nicht auszusprechen wagt?!

Da lässt man sich nicht zweimal bitten, D’Konschtkëscht zu erklären: „Wir wollen Videokünstler in der Großregion fördern und zudem den Bürgern die Möglichkeit geben, diese Kunstform kennenzulernen – ohne dass sie dafür in ein Museum gehen müssen. Um das zu erreichen, wurde D’Konschtkëscht an bislang elf öffentlichen Orten aufgestellt, also eine – wie der Name schon sagt – Kiste mit einem integrierten Bildschirm auf dem Videokunstwerke zu sehen sind. Jeden Monat stellen wir so einen anderen Videokünstler mit seiner Arbeit vor, zeitgleich in allen Konschtkëschten und online unter www.konschtkescht.eu.“

„Wie wird diese Kiste und das Ausstrahlen der Videos finanziert?“

Unsere elf Partner investieren in die Idee, Videokunst im öffentlichen Raum zu zeigen: Sie haben die Kiste gekauft und beteiligen sich mit etwa 300 Euro pro Jahr an einem Teil der Verwaltungskosten und an dem Honorar, das die Künstler erhalten. Diese finanzielle Beteiligung ist notwendig und wichtig, das Besondere ist für uns aber auch die Bereitschaft der Partner, die Konschtkëscht im Foyer ihrer Einrichtung aufzustellen. Sie steht in Rathäusern, Jugendeinrichtungen oder Kulturzentren.“

„Warum ist das so außergewöhnlich?“

„Weil unsere Partner nicht nur bereit sind, ihr Gebäude an einem ganz zentralen Ort mit einem „Fremdkörper“ zu bestücken, sondern noch dazu, der Auswahl unserer Videos zu vertrauen. Die Menschen, die eine Konschtkëscht sehen, werden mit sehr verschiedenen Videokunstwerken konfrontiert, die ihnen mal unterhaltsam, mal bedrückend oder auch verwirrend oder beeindruckend erscheinen kann.“

„Kann man denn der Auswahl Ihrer Videos vertrauen?“

„Kann man! Wir organisieren jedes Jahr ein Videokunst Festival, für das wir einen öffentlichen Aufruf unter den Künstlern in der Großregion starten und anschließend mit einer Expertenjury zirka 20 Videos nominieren, aus diesen Nominierungen werden die Videos für das Konschtkëscht-Programm ausgesucht. Von 2011 bis 2013 arbeiten wir dafür eng mit Kunst- und Kultureinrichtungen in der Großregion zusammen: Les Yeux De L’Ouïe in Lothringen, CNA in Luxemburg, Saarländisches Filmbüro in Saarbrücken und TUFA in Trier und werden hierfür vom Interreg IVA Programm gefördert.“

Während des Gesprächs frage ich mich, ob unsere Facebook-Seite (https://www.facebook.com/konschtkescht.eu) den SR auf uns aufmerksam gemacht hat? Oder vielleicht die Konschtkëscht in der Stadtgalerie Saarbrücken?

Bevor ich das fragen kann, ist das Gespräch auch schon vorbei und da ich natürlich unbedingt einen Bericht beim SR über D’Konschtkëscht haben möchte, schicke ich noch die Projektpräsentation per Email, darin wird auch die Geschichte erklärt, zum Beispiel, dass das Projekt vom CIGL Esch-sur-Alzette entwickelt worden ist.

Und dann? Passiert nichts, Enttäuschung macht sich breit.

Drei Monate später, die Enttäuschung ist längst ins Vergessen übergegangen, klingelt mein Handy während wir mit den Videokünstlern Olivier Pesch und Marc Nis mitten in Esch-sur-Alzette einen Videoworkshop mit Teilnehmern vom CIGL Esch, Stëmm vun der Strooss und dem Point Info Jeunes Esch machen. Aus Gründen, die kaum zu erklären sind, tragen die Teilnehmer um mich herum Affen- und Clownsmasken und alles dreht sich um zwei alte Reisekoffer – ich selbst bringe mit meiner Kollegin das Material in Sicherheit vor dem Regen, der uns während dem Workshop fünf Tage lang begleitet.

„Saarländischer Rundfunk – ich verbinde Sie mit Frank Johannsen“. Herr Johannsen, der stellvertretende Programmdirektor und Hörfunkdirektor des SR, möchte uns in Tétange besuchen, aber warum, will er nicht verraten. In Tétange sitzt CIGS Archipel asbl, der gemeinnützige Verein, der D’Konschtkëscht koordiniert und sich mit seinen sechs Projekten für eine bürgernahe Kulturvermittlung engagiert. Wie kann man sich auf so ein Treffen vorbereiten? Wir drucken Informationsmaterial aus, kaufen Kekse und rätseln.

Und als Herr Johannsen in Begleitung des Journalisten Rainer Petto – dem Journalisten, mit dem ich Monate zuvor telefoniert hatte – bei uns ankommt, erfahren wir, dass D’Konschtkëscht in diesem Jahr mit dem Medienkunstpreis des Saarländischen Rundfunks ausgezeichnet wird! Wir sind überrascht, mächtig stolz und glücklich – und ganz offiziell heißt es nun: „Mit der Auszeichnung für ‘D´ Konschtkescht’ würdigt der Saarländische Rundfunk eine Kunstvermittlungsinitiative, die ein Musterbeispiel für ein gut funktionierendes grenzüberschreitendes Kulturprojekt in der Großregion ist”, so der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist.

Offizielle Webseite D’Konschtkëscht

Article modifié le mercredi 21 décembre 2011, 10:08

Auteur: Vanessa Diemand

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