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Oscar oder Nutella?

Ges­tern habe ich mir Dark Knight ange­se­hen. Ich kann die Begeis­te­rung für die­sen Film nicht gänz­lich tei­len. Sicher­lich, Heath Led­ger hat sehr gut gespielt. Aber hat er den Oscar nicht doch wohl eher erhal­ten, weil er so früh ges­tor­ben ist?

Ich fand den Film zu lang, und das von Anfang an. Den­ken Sie nur an den Ban­kraub, bei dem Ein­bre­cher nach dem ande­ren den nächs­ten umbringt. Min­des­tens 20 Minu­ten hät­ten gekürzt wer­den kön­nen. Denn vie­les, was gezeigt wurde, ist uns nicht neu. Bat­man ist immer auf dem neues­ten Stand der Tech­nik, Bruce Wayne ist ein ein­zelgän­ge­ri­scher Exzen­tri­ker, sein Die­ner ist Vate­rer­satz und Rat­ge­ber in einem, mit den Frauen klappt’s für Bat­man nicht so rich­tig und die Bösen wer­den immer bes­traft.

Wäre da nicht die­ses selt­same Ende. Fin­den Sie die pos­thume Glo­ri­fi­zie­rung des Har­vey Dent glaubwür­dig und logi­sch? Brau­chen wir wirk­lich noch Hel­den?!

Sie sind immer gutaus­se­hend, per­fekt gek­lei­det und wis­sen auf alles eine Ant­wort. Im Zwei­fels­fall sind sie bereit, sich zu opfern. I.d.R. erkennt man sie auf Anhieb, sie sind umhüllt von einer Art Aura, immer zur Stelle, wenn etwas pas­siert, ihr Deo ver­sagt nie.

Zumin­dest im Film.

Und aus die­sem Grund bas­teln wir uns unsere Hel­den genauso in der Wirk­li­ch­keit. Denn weil sie im Film ohne Fehl und Tadel sind, muss es im rich­ti­gen Leben ebenso sein. Dies dis­qua­li­fi­ziert uns alle auf Anhieb. Denn wir sind nicht ohne Las­ter und Schwä­chen, ohne Irrtü­mer und Zwei­fel. Selbst der Papst ist fehl­bar.

Was bringt uns also die Vereh­rung die­ser Über­men­schen? Sehn­sucht? Antrieb? Hoff­nung? Enttäu­schung! Sehen Sie sich nur Obama an. Wie wurde die­ser Mann in den Him­mel geju­belt, mit Vor­schuss­lor­bee­ren über­schüt­tet, ja schier vergöt­tert. Er konnte nur fal­len. Die Zeit war gegen ihn. Warum also suchen wir uns immer diese Hel­den? Warum schmä­lern wir uns selbst zu einer Nich­tig­keit herab, die andere braucht, um ihr Leben meis­tern zu kön­nen.

Ich gebe Ihnen ein Bei­spiel: Ich sitze hier und schreibe. Und habe mich eigent­lich auf eine Tasse Kaf­fee und ein Plätz­chen gefreut. Nur lei­der wird nichts daraus. Denn mein lie­ber Freund und Mit­be­woh­ner hat alle auf­ge­ges­sen. Ohne mir etwas zu sagen. Im gan­zen Haus ist nicht ein Stück Nasch­werk mehr. Sie wis­sen nicht, was das für mich bedeu­tet, ich, die sich von Süs­sem ernäh­ren könnte. Das ein­zige, was wir noch haben, ist ein Glas Nutella. Und so wende ich der­zeit einen Groß­teil mei­ner Kraft dafür auf, nicht den Fin­ger in die­ses Glas zu ste­cken. Bin ich ein Held? Wenn ich bis 17 Uhr dur­ch­halte, auf jeden Fall. Han­delt es sich um eine Nich­tig­keit. Aber 100%ig. Ich ver­diene hierfür kei­nen Oscar und kei­nen Orden, ja noch nicht ein­mal die Bewun­de­rung mei­ner Nach­barn.

Ich werde hier­durch die Welt nicht ver­bes­sern, ein hun­gern­des Kind ret­ten oder den Kli­ma­wan­del abwen­den.Ich meis­tere das aber ganz alleine. Klar habe ich der­zeit ein­deu­tig ein Feind­bild vor Augen, aber es geht hier um mich, das Nutella Glas und mei­nen lin­ken Zei­ge­fin­ger. Da kön­nen weder John Wayne, Super­man oder Mut­ter Teresa hel­fen. Nicht jeder von uns ist zu Größe­rem beru­fen. Und nicht jedem von uns bie­tet sich die Gele­gen­heit, hel­den­haf­tes zu voll­brin­gen. Aber die, denen sich die Gele­gen­heit bie­tet und die sie nut­zen, ste­hen nicht nur auf der Son­nen­seite des Lebens.

Aus die­sem Grund finde ich, müsste das Ende von Dark Knight umges­chrie­ben wer­den. Es nimmt den Bür­gen von Gotham City die Gele­gen­heit, selbst zu Hel­den zu wer­den. Und gau­kelt eine Per­fek­tion vor, die es gar nicht braucht.

Bis gerade eben saß ich übri­gens im Wohn­zim­mer. Ich glaube, ich ver­lege mei­nen Arbeits­platz mal in die Küche…..

Article modifié le lundi 14 novembre 2011, 16:50

Auteur: Christina Schürr

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