Oscar oder Nutella?
Publié le vendredi 13 août 2010, 16:55 - Coups de chapeau - Lien permanent
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Gestern habe ich mir Dark Knight angesehen. Ich kann die Begeisterung für diesen Film nicht gänzlich teilen. Sicherlich, Heath Ledger hat sehr gut gespielt. Aber hat er den Oscar nicht doch wohl eher erhalten, weil er so früh gestorben ist?
Ich fand den Film zu lang, und das von Anfang an. Denken Sie nur an den Bankraub, bei dem Einbrecher nach dem anderen den nächsten umbringt. Mindestens 20 Minuten hätten gekürzt werden können. Denn vieles, was gezeigt wurde, ist uns nicht neu. Batman ist immer auf dem neuesten Stand der Technik, Bruce Wayne ist ein einzelgängerischer Exzentriker, sein Diener ist Vaterersatz und Ratgeber in einem, mit den Frauen klappt’s für Batman nicht so richtig und die Bösen werden immer bestraft.
Wäre da nicht dieses seltsame Ende. Finden Sie die posthume Glorifizierung des Harvey Dent glaubwürdig und logisch? Brauchen wir wirklich noch Helden?!
Sie sind immer gutaussehend, perfekt gekleidet und wissen auf alles eine Antwort. Im Zweifelsfall sind sie bereit, sich zu opfern. I.d.R. erkennt man sie auf Anhieb, sie sind umhüllt von einer Art Aura, immer zur Stelle, wenn etwas passiert, ihr Deo versagt nie.
Zumindest im Film.
Und aus diesem Grund basteln wir uns unsere Helden genauso in der Wirklichkeit. Denn weil sie im Film ohne Fehl und Tadel sind, muss es im richtigen Leben ebenso sein. Dies disqualifiziert uns alle auf Anhieb. Denn wir sind nicht ohne Laster und Schwächen, ohne Irrtümer und Zweifel. Selbst der Papst ist fehlbar.
Was bringt uns also die Verehrung dieser Übermenschen? Sehnsucht? Antrieb? Hoffnung? Enttäuschung! Sehen Sie sich nur Obama an. Wie wurde dieser Mann in den Himmel gejubelt, mit Vorschusslorbeeren überschüttet, ja schier vergöttert. Er konnte nur fallen. Die Zeit war gegen ihn. Warum also suchen wir uns immer diese Helden? Warum schmälern wir uns selbst zu einer Nichtigkeit herab, die andere braucht, um ihr Leben meistern zu können.
Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ich sitze hier und schreibe. Und habe mich eigentlich auf eine Tasse Kaffee und ein Plätzchen gefreut. Nur leider wird nichts daraus. Denn mein lieber Freund und Mitbewohner hat alle aufgegessen. Ohne mir etwas zu sagen. Im ganzen Haus ist nicht ein Stück Naschwerk mehr. Sie wissen nicht, was das für mich bedeutet, ich, die sich von Süssem ernähren könnte. Das einzige, was wir noch haben, ist ein Glas Nutella. Und so wende ich derzeit einen Großteil meiner Kraft dafür auf, nicht den Finger in dieses Glas zu stecken. Bin ich ein Held? Wenn ich bis 17 Uhr durchhalte, auf jeden Fall. Handelt es sich um eine Nichtigkeit. Aber 100%ig. Ich verdiene hierfür keinen Oscar und keinen Orden, ja noch nicht einmal die Bewunderung meiner Nachbarn.
Ich werde hierdurch die Welt nicht verbessern, ein hungerndes Kind retten oder den Klimawandel abwenden.Ich meistere das aber ganz alleine. Klar habe ich derzeit eindeutig ein Feindbild vor Augen, aber es geht hier um mich, das Nutella Glas und meinen linken Zeigefinger. Da können weder John Wayne, Superman oder Mutter Teresa helfen. Nicht jeder von uns ist zu Größerem berufen. Und nicht jedem von uns bietet sich die Gelegenheit, heldenhaftes zu vollbringen. Aber die, denen sich die Gelegenheit bietet und die sie nutzen, stehen nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens.
Aus diesem Grund finde ich, müsste das Ende von Dark Knight umgeschrieben werden. Es nimmt den Bürgen von Gotham City die Gelegenheit, selbst zu Helden zu werden. Und gaukelt eine Perfektion vor, die es gar nicht braucht.
Bis gerade eben saß ich übrigens im Wohnzimmer. Ich glaube, ich verlege meinen Arbeitsplatz mal in die Küche…..
Article modifié le lundi 14 novembre 2011, 16:50




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