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Offener Brief an Frau Uli Botzler

Reak­tion auf den Arti­kel “Hoff­nung auf eine zweite Chance”, erschie­nen im Télé­cran vom 26. Mai 2010

Mit gros­sem Unverständ­nis haben wir Ihren Arti­kel im letz­ten Télé­cran gele­sen - “Hoff­nung auf eine zweite Chance”. Wie­der und wie­der wer­den Zeit­schrif­ten und Zei­tun­gen mit schrift­li­chen Bei­trä­gen gefüllt, die kaum recher­chiert sind, denen die Aus­sa­ge­kraft fehlt, die unter­sch­wel­lig angrei­fen und zum Teil ein­fach fal­sch sind. Wir fra­gen uns nach dem Sinn sol­cher Bei­träge. Viel­leicht kön­nen Sie uns behil­flich sein, zumin­dest für Ihren Arti­kel, eine Ant­wort zu fin­den. Woll­ten Sie hier wirk­lich objek­tiv infor­mie­ren?

Anbei einige Bei­spiele, um unsere Fra­gen zu begrün­den:

  • Sie spre­chen von Boy­kott. Haben Sie auch nur mit einem ein­zi­gen Unter­neh­men ges­pro­chen, das Ihnen aus­drü­ck­lich gesagt hat, es hätte diese Verans­tal­tung “boy­kot­tiert”? Wenn ja, warum enthal­ten Sie dem Leser die Gründe vor?


  • Sie behaup­ten, Bes­chäf­ti­gung­si­ni­tia­ti­ven wür­den keine rich­ti­gen Jobs anbie­ten. Für die Recher­chen Ihres Arti­kels haben Sie lei­der nicht bei uns angek­lopft und wir wer­den in die­sem Land von Ihnen und einer immer gerin­ger wer­den­den Anzahl Ihrer Kol­le­gen als Bes­chäf­ti­gung­si­ni­tia­tive ange­se­hen. Aber wie kön­nen Sie dann u. a. unse­ren 1 000 Mitar­bei­tern unters­tel­len, sie wür­den ihre Arbeits­zeit mit - ja, womit eigent­lich? - ver­brin­gen?


  • Sie geben eine Defi­ni­tion der Soli­dar­wirt­schaft und behaup­ten, diese stamme aus der Poli­tik. Hier kön­nen wir Ihnen ver­si­chern, dass dies nicht stimmt. Die Poli­tik unter­schei­det zwi­schen Soli­dar­wirt­schaft und Bes­chäf­ti­gung­smass­nahme. Sie erkennt, wo die Unter­schiede lie­gen und wo beide Hand ind Hand gehen kön­nen. Wenn Sie uns dies nicht glau­ben mögen, so emp­feh­len wir Ihnen ein Ges­präch mit den Mit­glie­dern des dépar­te­ment minis­té­riel der Soli­dar­wirt­schaft.


  • Am meis­ten frap­piert uns jedoch Ihre Dars­tel­lung des ers­ten und zwei­ten Arbeits­mark­tes. Ihrer Aus­sage nach gibt es einen zwei­ten Arbeits­markt, damit dort die Men­schen üben kön­nen, bis sie fit sind für den sog. ers­ten Arbeits­markt. Hier­mit kön­nen wir nicht ein­vers­tan­den sein, das wer­den Sie sich den­ken kön­nen. Die Frage stellt sich im All­ge­mei­nen, wie viele Arbeitsmärkte es denn eigent­lich wirk­lich gibt.

Worü­ber wir uns aber sicher­lich einig sind, ist, dass der von Ihnen so genannte zweite Arbeits­markt u. a. von staat­li­chen Mit­teln finan­ziert wird, also kei­ner klas­si­schen Kon­kur­renz­si­tua­tion aus­ge­setzt ist. Aber gilt dies nicht auch für viele andere Bereich der Wirt­schaft? Und sind nicht auch Jour­na­lis­ten in einer ganz ähn­li­chen Situa­tion? Erhal­ten die Heraus­ge­ber von Zei­tun­gen und Zeit­schrif­ten nicht eine sog. aide à la presse für jede voll­ges­chrie­bene Seite?


Wir wol­len die­ses Schrei­ben nicht auf Einwände und Gege­naus­sa­gen bes­chrän­ken, son­dern Ihnen einen Vor­schlag sowie eine Bitte unter­brei­ten.

Zunächst der Vor­schlag: Neh­men Sie sich doch mal die Zeit und besu­chen Sie unser Netz­werk. Ler­nen Sie uns ken­nen, unsere Arbeit, unsere Pro­jekte, unsere Ideen und ins­be­son­dere unsere Mitar­bei­ter. Und dann schrei­ben Sie einen Arti­kel über das Erlebte. Objek­tiv und kri­ti­sch. Einen fun­dier­ten Arti­kel, der Ihren Lesern einen Mehr­wert bringt. Und uns auch, denn bei Ihren Recher­chen wer­den Sie sicher­lich auf Den­kanstösse tref­fen, von denen auch wir pro­fi­tie­ren kön­nen.
Dies erfort­dert Zeit und Mühe, des­sen sind wir uns bewusst. Aber das Resul­tat könnte es wert sein.

Zum Schluss die Bitte, und diese ist ganz unabhän­gig von unse­rem Ange­bot. Auch wenn Sie uns nicht besu­chen kom­men und uns wei­te­rhin unge­se­hen als Bes­chäf­ti­gung­si­ni­tia­tive bezeich­nen, so bit­ten wir Sie zumin­dest, unse­ren Namen kor­rekt zu schrei­ben, wenn Sie uns zitie­ren oder über uns spre­chen. Es han­delt sich hier eigent­lich um eine Selbst­verständ­li­ch­keit, es wäre schön, wenn Sie uns diese zuges­te­hen könn­ten.



In der Hoff­nung, Sie möglichst bald bei uns begrüs­sen zu dür­fen, ver­blei­ben wir

gezeich­net R. Bie­ver, R. Bins­feld, C. Schürr


Nach­trag: Bis dato hat uns noch keine Reak­tion von Frau Botz­ler erreicht. Wir hof­fen jedoch, in einen kons­truk­ti­ven Dia­log tre­ten zu kön­nen.

Article modifié le mardi 29 novembre 2011, 08:35

Auteur: Christina Schürr

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Mockingbird ·  24 juin 2010, 09:11

Vielleicht sollte Frau Botzler sich mal mit Herrn Wolter unterhalten. Der scheint zumindest verstanden zu haben, dass Beschäftigungsmassnahme und solidarische Ökonomie nicht dasselbe sind.

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