Offener Brief an Frau Uli Botzler
Publié le vendredi 04 juin 2010, 10:17 - Luxembourg - Lien permanent
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Reaktion auf den Artikel “Hoffnung auf eine zweite Chance”, erschienen im Télécran vom 26. Mai 2010
Mit grossem Unverständnis haben wir Ihren Artikel im letzten Télécran gelesen - “Hoffnung auf eine zweite Chance”. Wieder und wieder werden Zeitschriften und Zeitungen mit schriftlichen Beiträgen gefüllt, die kaum recherchiert sind, denen die Aussagekraft fehlt, die unterschwellig angreifen und zum Teil einfach falsch sind. Wir fragen uns nach dem Sinn solcher Beiträge. Vielleicht können Sie uns behilflich sein, zumindest für Ihren Artikel, eine Antwort zu finden. Wollten Sie hier wirklich objektiv informieren?
Anbei einige Beispiele, um unsere Fragen zu begründen:
- Sie sprechen von Boykott. Haben Sie auch nur mit einem einzigen Unternehmen gesprochen, das Ihnen ausdrücklich gesagt hat, es hätte diese Veranstaltung “boykottiert”? Wenn ja, warum enthalten Sie dem Leser die Gründe vor?
- Sie behaupten, Beschäftigungsinitiativen würden keine richtigen Jobs anbieten. Für die Recherchen Ihres Artikels haben Sie leider nicht bei uns angeklopft und wir werden in diesem Land von Ihnen und einer immer geringer werdenden Anzahl Ihrer Kollegen als Beschäftigungsinitiative angesehen. Aber wie können Sie dann u. a. unseren 1 000 Mitarbeitern unterstellen, sie würden ihre Arbeitszeit mit - ja, womit eigentlich? - verbringen?
- Sie geben eine Definition der Solidarwirtschaft und behaupten, diese stamme aus der Politik. Hier können wir Ihnen versichern, dass dies nicht stimmt. Die Politik unterscheidet zwischen Solidarwirtschaft und Beschäftigungsmassnahme. Sie erkennt, wo die Unterschiede liegen und wo beide Hand ind Hand gehen können. Wenn Sie uns dies nicht glauben mögen, so empfehlen wir Ihnen ein Gespräch mit den Mitgliedern des département ministériel der Solidarwirtschaft.
- Am meisten frappiert uns jedoch Ihre Darstellung des ersten und zweiten Arbeitsmarktes. Ihrer Aussage nach gibt es einen zweiten Arbeitsmarkt, damit dort die Menschen üben können, bis sie fit sind für den sog. ersten Arbeitsmarkt. Hiermit können wir nicht einverstanden sein, das werden Sie sich denken können. Die Frage stellt sich im Allgemeinen, wie viele Arbeitsmärkte es denn eigentlich wirklich gibt.
Worüber wir uns aber sicherlich einig sind, ist, dass der von Ihnen so genannte zweite Arbeitsmarkt u. a. von staatlichen Mitteln finanziert wird, also keiner klassischen Konkurrenzsituation ausgesetzt ist. Aber gilt dies nicht auch für viele andere Bereich der Wirtschaft? Und sind nicht auch Journalisten in einer ganz ähnlichen Situation? Erhalten die Herausgeber von Zeitungen und Zeitschriften nicht eine sog. aide à la presse für jede vollgeschriebene Seite?
Wir wollen dieses Schreiben nicht auf Einwände und Gegenaussagen beschränken, sondern Ihnen einen Vorschlag sowie eine Bitte unterbreiten.
Zunächst der Vorschlag: Nehmen Sie sich doch mal die Zeit und besuchen Sie unser Netzwerk. Lernen Sie uns kennen, unsere Arbeit, unsere Projekte, unsere Ideen und insbesondere unsere Mitarbeiter. Und dann schreiben Sie einen Artikel über das Erlebte. Objektiv und kritisch. Einen fundierten Artikel, der Ihren Lesern einen Mehrwert bringt. Und uns auch, denn bei Ihren Recherchen werden Sie sicherlich auf Denkanstösse treffen, von denen auch wir profitieren können.
Dies erfortdert Zeit und Mühe, dessen sind wir uns bewusst. Aber das Resultat könnte es wert sein.
Zum Schluss die Bitte, und diese ist ganz unabhängig von unserem Angebot. Auch wenn Sie uns nicht besuchen kommen und uns weiterhin ungesehen als Beschäftigungsinitiative bezeichnen, so bitten wir Sie zumindest, unseren Namen korrekt zu schreiben, wenn Sie uns zitieren oder über uns sprechen. Es handelt sich hier eigentlich um eine Selbstverständlichkeit, es wäre schön, wenn Sie uns diese zugestehen könnten.
In der Hoffnung, Sie möglichst bald bei uns begrüssen zu dürfen, verbleiben wir
gezeichnet R. Biever, R. Binsfeld, C. Schürr
Nachtrag: Bis dato hat uns noch keine Reaktion von Frau Botzler erreicht. Wir hoffen jedoch, in einen konstruktiven Dialog treten zu können.
Article modifié le mardi 29 novembre 2011, 08:35




Vielleicht sollte Frau Botzler sich mal mit Herrn Wolter unterhalten. Der scheint zumindest verstanden zu haben, dass Beschäftigungsmassnahme und solidarische Ökonomie nicht dasselbe sind.