Die Praxis ist zu wichtig, um sie alleine den Praktikern zu überlassen
Publié le vendredi 19 février 2010, 17:44 - Coups de gueule - Lien permanent
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Diese Woche war ich in Wien. Nicht, wie alle glaubten, um Urlaub dort zu machen, Sissi-Monumente zu bestaunen, mich im Belvedere zu verirren, zu shoppen oder Sachertorte zu schlemmen, nein, rein beruflich. Wobei, so ganz unter uns, auf die Sachertorte konnte ich nicht verzichten, das wäre ja, wie den Big Apple zu besuchen und nicht mit einem yellow cab zu fahren.

Rege Diskussion am Luxemburger Tisch während des 6. Forum Meetings in Wien, vom 16. bis 17. Februar 2010.
In Wien fand das 6. Jahrestreffen der Mitglieder des LEED Forums für Zusammenarbeit und lokale Governance statt. Luxemburg ist seit 2005 Mitglied bei LEED, einem Programm der OECD für lokale ökonomische und Beschäftigungsentwicklung. Vertreten wird unser Land in diesem Fall durch das Wirtschaftsministerium. Das Ministerium hat eine ganze Abteilung mit mehreren Personen, die sich nur der Zusammenarbeit mit der OECD widmen. In Wien war – keiner! Außer mir, nicht ein Vertreter Luxemburgs. Und ich war ja nicht für unser Land da, sondern eigentlich für meinen Arbeitgeber. Eigentlich, denn, es galt eine Lücke zu füllen, und das habe ich nur allzu gerne getan. Schließlich hatte ich die Gelegenheit, über 200 Personen zu erklären, wie Luxemburgs Wirtschaft auszusehen hat. Unserer Meinung nach. Und nicht eine nationale Gegenstimme. Ein gefundenes Fressen für eine PR Verantwortliche.
Andere Mitgliedsländer haben Vertreter von der Regierung, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft abgesandt, um an diesem Erfahrungsaustausch teilzunehmen und interessante, lokal anwendbare Ideen mit nach Hause zu bringen. Andere eben. Wir nicht. Wir haben ignoriert, was man ignorieren konnte, und eine Gelegenheit verpasst. Wieder mal, sollte ich sagen, denn in den 5 Jahren in denen diese Treffen stattfinden, war die Regierung so gut wie nie dabei. Meines Wissens genau 1 Mal.
Und es ist nicht so, dass dieses Forum nichts bringt. Ganz im Gegenteil. Es geht um Partnerschaften und lokale Governance. Um Erfahrungen in über 20 Ländern mit lokalen Entwicklungsinitiativen. Und schließlich investiert Luxemburg seit vielen, vielen Jahren sehr viel Geld in seine lokale Entwicklung. (Unter uns gesagt, wie wir finden, mit großem Erfolg, es könnte ruhig noch mehr sein.) Es galt zu fragen, zu erklären und zu lernen.
Das Fazit für uns Teilnehmer lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Praxis ist zu wichtig, um sie alleine den Praktikern zu überlassen. Will heißen, hier geschieht verdammt tolles auf lokaler Ebene in Bezug auf sozialen Zusammenhalt, Wohlbefinden, Beschäftigung und Nachhaltigkeit. Es gibt wahnsinnig viele Leute, die sich tagtäglich für lokale Entwicklung einsetzen, sie betreiben, doch um gebührend davon profitieren zu können braucht es die Politik. Es braucht Politiker, politische Entscheidungen und eine Anpassung der Strukturen, damit lokale Entwicklung national möglich wird.
Die anderen Länder haben das erkannt und waren entsprechend vertreten.
Und Luxemburg? No need, nein danke.
Geht es uns gut genug?
Brauchen wir etwa nichts mehr zu lernen? Sind wir so krisengebeutelt, dass wir uns keine Reise nach Wien leisten können?
Ich glaube nicht. Aber ich glaube, Sie wissen jetzt, warum wir in unseren Reihen so viele Politiker haben.
Article modifié le lundi 22 février 2010, 10:56




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