Tanz der Vampire
Publié le jeudi 28 janvier 2010, 15:12 - Coups de gueule - Lien permanent
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Hand aufs Herz – wie oft, sagen wir in diesem Monat, haben Sie schon die Aufmerksamkeit anderer auf sich gezogen, mit vorgeschobenen Argumenten und obwohl Sie eigentlich gar nichts zu sagen hatten?
Sie kennen das bestimmt, haufenweise Emails von Kollegen, die auf irgendwelche Konferenzen oder Veranstaltungen hinweisen und dies zu Themen, die angeblich wichtig für unseren kritischen Blick auf die Welt von morgen sind, uns aber eigentlich noch nie interessiert haben.
Nächsten Montag kommt Herr X, Experte im Bereich Nano-Biotechnologie, eine absolute Ehre für Luxemburg, dass diese Ausnahmeerscheinung sich in unser Land begibt, Dabeisein ist ein Must.
In 2 Monaten, eine Veranstaltung im angrenzenden Ausland, organisiert von irgendeinem Verein, der die Fortpflanzung der in Zoos lebenden Eisbären anregen möchte, auf geht’s, fahren Sie dahin.
Heute Abend im Fernsehen, Frau Soundso war 14 Tage auf den Caiman Islands und erzählt uns, nein, nicht etwas über Geldwäscherei, sondern die lokale Vegetation, die sich aufgrund der hohen Anzahl an Privatjachten und deren Abgasausstöße unwiederbringlich verändert hat.
Das schlimmste bei der ganzen Sache, es handelt sich um Emails, die die lieben Kollegen selber erhalten haben und die sie nur weiterleiten. Ähnlich wie ein Trittbrettfahrer haften sie sich an die Nachricht und hoffen, durch das Weiterleiten fällt ein bisschen Sonnenlicht auf sie. Sie tun dies ganz ohne Kommentar. Ganz einfach Sammelmail an die gesamte Belegschaft, aus 1 mach 1 000. Sollen die Empfänger doch schauen, wie sie klar kommen. Sie haben sich zu interessieren! Sie müssen erkennen, wie clever der Absender ist, dass er ihnen so eine Mail weiterleitet. Ansonsten können sie die Mail ja löschen. Wobei sie dies bitte für sich behalten sollen, schließlich sind sie es, die die Wichtigkeit des Sachverhalts verkennen.
Man stelle sich das mal vor: 1 Person bekommt 1 Mail, die sie für durchschnittlich interessant hält und schickt sie an alle Kollegen weiter. Ohne diese Mail zu kommentieren, wie gesagt, denn dies würde ja bedeuten, sie verwendet Zeit hierauf, sie gibt sich irgendwie Mühe, hinterfragt den Inhalt und überlegt sich, für wen dieser interessant sein könnte. Kurzschluss zwischen Hirn und Tastatur – Transfer. Konsequenz: 999 Personen drücken innerhalb 2 Sekunden nachdem sie die Mail angelesen haben auf Delete, okay sagen wir 979, die anderen brauchen etwas länger, sie geben der Sache auch noch beim 150sten Mal eine Chance. Und 999, die sich denken, „Was der darf, darf ich auch“. Und versenden auch Mails. Butterflyeffekt.
Einige von Ihnen werden jetzt sagen, „Ja, das ist die Schuld der Informationstechnologien, sie lösen Kommunikation und persönlichen Kontakt voneinander. Sie machen es einem viel zu einfach.“
Ausrede! Sehr schwach! Ein Verstecken hinter dem eigentlichen Problem. Ähnlich wie die Behauptungen, die Banken seien „Schuld“ an der Finanzkrise, der „Grund“ für die Umweltkrise sei die Erderwärmung.
Schuld ist der Mensch, wir, jedes Mal wieder! Und in unserem heutigen Fall, die Eitelkeit des Menschen, der unbedingte Wille sich auch einmal in den Vordergrund zu stellen. Auch einmal Initiator für etwas zu sein, irgendetwas, egal was, selbst wenn man hierfür die Weltverbesserung vorschieben muss.
Gestern konnte ich mich durch Zufall mit einem Pressevertreter über dieses Verhalten unterhalten. Dieser bekommt nicht nur Mails zu Dingen, die ihn interessieren sollen, sondern auch Anrufe, die ihn auf mehr oder weniger wichtige gesellschaftspolitische Entwicklungen aufmerksam machen. Natürlich damit er diese „bringt“, zum Wohle unseres Landes.
Als verantwortungsbewusste Person und professioneller Journalist hinterfragt er. Mit einem wunderbaren Satz. Diesen Satz, diese Frage, werde ich in Zukunft jedem stellen, der mich seinen Nichtigkeiten aussetzt und meint, ich solle seine Denkarbeit für ihn machen, ihm eine Darstellungsplattform bieten. Ich habe es heute schon ein paar Mal ausprobiert, die Reaktionen sind herrlich. Stutzen, verständnisloses Grinsen, i.d.R. Sprachlosigkeit. Noch konnte ich kein wirkliches Einsehen entdecken, aber es braucht seine Zeit bis man lieb gewonnene Gewohnheiten in Frage stellt. Nur 4 Worte, die besser nicht passen könnten, die die grauen Zellen anregen und die eigene Spürnase aktivieren, einen auf die Suche schicken und hoffentlich in Zukunft davon ablenken, andere zu belästigen:
Where is the beef?




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