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Soziale Nachhaltigkeit made in Luxembourg

Haben Sie das Vor­pro­jekt des PNDD für Luxem­burg gele­sen, “Ein nach­hal­ti­ges Luxem­burg für mehr Lebens­qua­lität“?

Illustration épicerie sociale
Ich konnte es diese Woche end­lich abschließen. Ein Run­dum­schlag! Jeder kriegt sein Fett ab, die Umwelt, die Wohl­stand­skran­khei­ten, die Por­tu­gie­sen, die Gefahr lau­fen, kei­nen Kon­takt zum Land her­zus­tel­len und sich in Paral­lel­ge­sell­schaf­ten zu orga­ni­sie­ren, die Behin­der­ten, die älte­ren Men­schen, die zum Teil nur eine “begrenzte Arbeitsfä­hig­keit” auf­wei­sen, aber glei­ch­zei­tig eine “wich­tige wirt­schaft­li­che Rolle als Arbeit­neh­mer, Kon­su­ment und Steuer­zah­ler“ spie­len, die Frauen, die darauf hof­fen dür­fen, dass ihre “Repro­duk­tion­sar­beit” in naher Zukunft staat­lich gere­gelt auf beide Ges­chlech­ter über­tra­gen wer­den soll, der Finanz­markt. Fast jeder! Ich habe die pup­sen­den Kühe ver­misst.
Die­ses Doku­ment ähnelt der Ver­schrei­bung für ein Breit­band-Anti­bio­ti­kum, die man beim Arzt erhält, wenn die­ser nicht genau weiß, was man hat. Breit streuen, irgendwo wird es schon grei­fen. Eine Ladung Schrot­ku­geln, irgen­deine wird ihr Ziel schon nicht ver­feh­len. Wenn dabei noch eine Schul­ter zer­trüm­mert wird, Kol­la­te­ral­scha­den, das Wild zumin­dest ist erlegt, der Kunde wird’s schon zah­len.
Ähn­lich tei­gig die Spe­zia­laus­gabe der Let­ze­buer­ger Gemen­gen zur Nach­hal­ti­gen Ent­wi­ck­lung. Alle, die der poten­tielle Leser auch nur im Ent­fern­tes­ten inte­res­sant fin­den könnte, kom­men zu Wort. Auch Ver­tre­ter von Pri­va­tun­ter­neh­men, die Inves­to­ren in das Heute, in die Zukunft.
Und ganz zum Schluss noch ein Quänt­chen Soli­da­rität, das Son­de­rheft ist kom­plett.

Auf was basiert das alles? Poli­ti­ker und Jour­na­lis­ten sol­len schließ­lich die Öffent­li­ch­keit auf rele­vante The­men auf­merk­sam machen, zur Dis­kus­sion anre­gen, Ände­run­gen durch­set­zen. Wir, die Bevöl­ke­rung, der Urs­prung allen Übels, sind dann auch noch ans­pruchs­voll. Da braucht es schon für jeden was, damit auch jeder sich anges­pro­chen fühlt, “sich wie­der­fin­det“. Und rea­giert. Fast jeder, sie erin­nern sich - die Kühe, die pup­sen.
Und hierfür braucht es finan­zielle Mit­tel, die nun mal bei den Unter­neh­men lie­gen.

Nen­nen wir dies doch mal den Luxem­bur­ger Nach­hal­tig­keits­ge­dan­ken.

Dann durfte ich diese Woche auch noch in einer franzö­si­sch-spra­chi­gen Tages­zei­tung lesen, wie der Lei­ter des Dif­fer­din­ger épi­ce­rie sociale von sei­nen Kun­den sprach. Er nannte sie très digne. Ich habe es nach­ges­chla­gen, “wür­de­voll“ bzw. “res­pekt­ge­bie­tend“ sind mögli­che deut­sche Über­set­zun­gen von digne. Nett, nicht wahr? Hätte man eine derar­tige Asso­zia­tion nicht auch für die Kühe fin­den kön­nen?
Dann kam aber gleich das Nach­tre­ten, es seien keine Sozialfälle, die zu ihnen kämen, son­dern nur Men­schen, die vorü­ber­ge­hend aus der Bahn gewor­fen wur­den.
Was bedeu­tet dies nun wie­der?
Ein Über­set­zung­sfeh­ler?
In Luxem­burg gibt es keine Sozialfälle?
Men­schen, die man als sol­che bezeich­net, sind nicht res­pekt­ge­bie­tend?
Sozialfälle wer­den vom Dif­fer­din­ger Sozia­lamt, das die Berech­ti­gung­sscheine für die épi­ce­rie sociale auss­tellt, aus­ge­siebt und erhal­ten keine Hilfe? Weil sie viel­leicht nicht ins Stadt­bild pas­sen?
Men­schen, denen es lang­fris­tig – oder soll­ten wir sagen nach­hal­tig – schlecht geht, sind in der épi­ce­rie sociale nicht am rich­ti­gen Ort?
Sozialfälle brau­chen nicht sozial behan­delt zu wer­den?

Der Luxem­bur­ger soziale Gedanke stößt hier anschei­nend an seine Gren­zen.

Und was machen wir dann mit den pup­sen­den, arbeits­lo­sen, dia­be­tes­kran­ken Por­tu­gie­sen, die kein luxem­bur­gi­sch Ler­nen und lie­ber bei Aldi als in der Dif­fer­din­ger Fußgän­ger­zone ein­kau­fen wol­len?

Herr Wise­ler – ein Vor­schlag?
Herr Gil­len viel­leicht?

Article modifié le jeudi 21 janvier 2010, 11:36

Auteur: Christina Schürr

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