Soziale Nachhaltigkeit made in Luxembourg
Publié le jeudi 21 janvier 2010, 08:42 - Luxembourg - Lien permanent
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Haben Sie das Vorprojekt des PNDD für Luxemburg gelesen, “Ein nachhaltiges Luxemburg für mehr Lebensqualität“?

Ich konnte es diese Woche endlich abschließen. Ein Rundumschlag! Jeder kriegt sein Fett ab, die Umwelt, die Wohlstandskrankheiten, die Portugiesen, die Gefahr laufen, keinen Kontakt zum Land herzustellen und sich in Parallelgesellschaften zu organisieren, die Behinderten, die älteren Menschen, die zum Teil nur eine “begrenzte Arbeitsfähigkeit” aufweisen, aber gleichzeitig eine “wichtige wirtschaftliche Rolle als Arbeitnehmer, Konsument und Steuerzahler“ spielen, die Frauen, die darauf hoffen dürfen, dass ihre “Reproduktionsarbeit” in naher Zukunft staatlich geregelt auf beide Geschlechter übertragen werden soll, der Finanzmarkt. Fast jeder! Ich habe die pupsenden Kühe vermisst.
Dieses Dokument ähnelt der Verschreibung für ein Breitband-Antibiotikum, die man beim Arzt erhält, wenn dieser nicht genau weiß, was man hat. Breit streuen, irgendwo wird es schon greifen. Eine Ladung Schrotkugeln, irgendeine wird ihr Ziel schon nicht verfehlen. Wenn dabei noch eine Schulter zertrümmert wird, Kollateralschaden, das Wild zumindest ist erlegt, der Kunde wird’s schon zahlen.
Ähnlich teigig die Spezialausgabe der Letzebuerger Gemengen zur Nachhaltigen Entwicklung. Alle, die der potentielle Leser auch nur im Entferntesten interessant finden könnte, kommen zu Wort. Auch Vertreter von Privatunternehmen, die Investoren in das Heute, in die Zukunft.
Und ganz zum Schluss noch ein Quäntchen Solidarität, das Sonderheft ist komplett.
Auf was basiert das alles? Politiker und Journalisten sollen schließlich die Öffentlichkeit auf relevante Themen aufmerksam machen, zur Diskussion anregen, Änderungen durchsetzen. Wir, die Bevölkerung, der Ursprung allen Übels, sind dann auch noch anspruchsvoll. Da braucht es schon für jeden was, damit auch jeder sich angesprochen fühlt, “sich wiederfindet“. Und reagiert. Fast jeder, sie erinnern sich - die Kühe, die pupsen.
Und hierfür braucht es finanzielle Mittel, die nun mal bei den Unternehmen liegen.
Nennen wir dies doch mal den Luxemburger Nachhaltigkeitsgedanken.
Dann durfte ich diese Woche auch noch in einer französisch-sprachigen Tageszeitung lesen, wie der Leiter des Differdinger épicerie sociale von seinen Kunden sprach. Er nannte sie très digne. Ich habe es nachgeschlagen, “würdevoll“ bzw. “respektgebietend“ sind mögliche deutsche Übersetzungen von digne. Nett, nicht wahr? Hätte man eine derartige Assoziation nicht auch für die Kühe finden können?
Dann kam aber gleich das Nachtreten, es seien keine Sozialfälle, die zu ihnen kämen, sondern nur Menschen, die vorübergehend aus der Bahn geworfen wurden.
Was bedeutet dies nun wieder?
Ein Übersetzungsfehler?
In Luxemburg gibt es keine Sozialfälle?
Menschen, die man als solche bezeichnet, sind nicht respektgebietend?
Sozialfälle werden vom Differdinger Sozialamt, das die Berechtigungsscheine für die épicerie sociale ausstellt, ausgesiebt und erhalten keine Hilfe? Weil sie vielleicht nicht ins Stadtbild passen?
Menschen, denen es langfristig – oder sollten wir sagen nachhaltig – schlecht geht, sind in der épicerie sociale nicht am richtigen Ort?
Sozialfälle brauchen nicht sozial behandelt zu werden?
Der Luxemburger soziale Gedanke stößt hier anscheinend an seine Grenzen.
Und was machen wir dann mit den pupsenden, arbeitslosen, diabeteskranken Portugiesen, die kein luxemburgisch Lernen und lieber bei Aldi als in der Differdinger Fußgängerzone einkaufen wollen?
Herr Wiseler – ein Vorschlag?
Herr Gillen vielleicht?
Article modifié le jeudi 21 janvier 2010, 11:36




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