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Standpunkt von Romain Biever und Romain Binsfeld, geschäftsführende Vorstandsmitglieder von Objectif Plein Emploi

Wach’ ich oder träum’ ich?

“Mir ginn der sou­ge­nann­ter Soli­dar­wirt­schaft een neie Stel­lewäert. Doduerch datt ee Minis­ter, näm­lech dee vun der Eco­no­mie fir si zoustän­neg gëtt, gi mer hir eng Uner­ken­nung zu Lët­ze­buerg déi se a wéi­nege Län­ner op der Welt huet.”

Am 29. Juli 2009 sind dies die Worte, die Pre­mier­mi­nis­ter Jean-Claude Jun­cker in sei­ner Regie­rung­serklä­rung an die Abgeord­ne­ten rich­tet. 15 Jahre inten­si­ver Ans­tren­gun­gen und For­schungs- und Über­zeu­gung­sar­beit, die Objec­tif Plein Emploi und sei­nem Netz­werk welt­weit Aner­ken­nung gebracht haben im Bereich der Soli­dar­wirt­schaft, fin­den heute mit und in die­ser Regie­rung­serklä­rung die Aner­ken­nung in unse­rem eige­nen Land. Dank gebührt jenen, die uns dabei beglei­tet und unterstützt haben.

Objec­tif Plein Emploi beans­prucht nicht für sich, allei­ni­ger Ver­tre­ter der Soli­dar­wirt­schaft in Luxem­burg zu sein, doch das Resul­tat die­ser Regie­rung­sbil­dung und - erklä­rung schrei­ben wir uns sehr wohl ins gol­dene Büchlein und wir wer­den vor allen Din­gen auch nicht ver­ges­sen, wem wir es zu ver­dan­ken haben, aus­ser natür­lich uns selbst.

“Do­duerch datt een dele­géierte Minis­ter d’Soli­dar­wirt­schaft en charge hëllt weise mer datt mer dëse Poli­tik­beräich als eng wie­sent­lech Auf­gab vun der Regie­rung begräi­fen.”

Lie­ber Freund Romain Sch­nei­der,

In Europa bist Du der erste übe­rhaupt, der den Titel eines Minis­ters für Soli­dar­wirt­schaft trägt und deine Auf­gabe wird keine ein­fa­che sein, das wis­sen wir. Einen drit­ten Pfei­ler in unse­rem Wirt­schafts­sys­tem auf­zu­bauen und ihm die Legi­ti­mität zu geben, die er ver­dient, wird von so man­chen Stei­nen im Weg beglei­tet sein. Wir, als OPE, haben schon eine Menge Vorar­beit geleis­tet und fin­den diese auch in die­ser Regie­rung­serklä­rung wie­der.

Soli­dar­wirt­schaft ist nicht gleich Bes­chäf­ti­gung­si­ni­tia­tive, wobei die Schaf­fung von Arbeits­plät­zen sehr wohl eine ihrer Prio­ritä­ten ist. Dass diese Arbeits­plätze, die wir daue­rhaft ges­tal­ten, von Men­schen besetzt wer­den, die keine Arbeit haben, ist ein gewün­sch­ter und erhoff­ter Nebe­nef­fekt.

Soli­dar­wirt­schaft ist jedoch auch der faire Han­del, sind die ethi­schen Finan­zen und die bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft, ist die soziale und gesell­schaft­li­che Verant­wor­tung der Betriebe, ist die Mit­bes­tim­mung in ihren Betrie­ben und die demo­kra­ti­sch auf­ge­bau­ten Struk­tu­ren, die sie ver­wal­ten, dies alles im Res­pekt einer nach­hal­ti­gen loka­len und regio­na­len Ent­wi­ck­lung.

Nach dem Welt­fo­rum für eine glo­ba­li­sierte Soli­da­rität die­ses Jahr in Luxem­burg, wel­ches wir gemein­sam mit INEES orga­ni­siert haben, haben wir wei­te­rhin gemein­sam Gros­ses vor:

Uni­ver­sitä­ten und For­scher im Bereich der Sozial- und Soli­dar­wirt­schaft zusam­men zu brin­gen und die theo­re­ti­sche und wis­sen­schaft­li­che Basis zu legen,

Eine Land­karte der bes­te­hen­den Netz­werke und Ini­tia­ti­ven zu ers­tel­len,

Die Aus­brei­tung der Soli­dar­wirt­schaft und ihren Bei­trag zum natio­na­len Reich­tum zu mes­sen und -bes­chei­den waren wir ja schon immer – einen «pôle d’excel­lence euro­péen» für die Soli­dar­wirt­schaft in Luxem­burg anzu­sie­deln. Die Unterstüt­zung einer Reihe von Uni­ver­sitä­ten und For­schung­szen­tren im In- und Aus­land sind uns dabei schon gewiss!

Den Grund­stein dafür haben wir gelegt und die jet­zige Regie­rung hat ihn zemen­tiert. Zusam­men woll­len wir darauf hin arbei­ten, das Mauer­werk sta­bil zu ges­tal­ten und dem Gan­zen ein anstän­di­ges Dach über dem Kopf zu schaf­fen.

Zu hof­fen wäre ja auch und zu erwar­ten ist es sicher­lich, dass die Bes­tand­sauf­nahme - die wohl not­wen­dig sein wird und die lei­der in den letz­ten Jah­ren daran ges­chei­tert ist, dass die Akteure sich im alle­rhöchs­tem Masse unei­nig waren - zei­gen wird, dass die Bedeu­tung der Soli­dar­wirt­schaft im luxem­bur­gi­schen Wirt­schafts­gefüge wesent­lich grös­ser ist, als das was bisher ange­nom­men und gemes­sen wurde oder wer­den konnte.

“Mir wël­len d’Soli­da­re­co­no­mie juris­tesch enca­dréie­ren duerch d’Aféie­rung vun enger “Asso­cia­tion d’inté­rêt col­lec­tif”. Dës nei juris­tesch Form wäert et méi­glech maa­chen d’Soli­dar­wirt­schaft als dat drëtt Stand­bee vun eiser Wirt­schaft ze begräi­fen.”

Objec­tif Plein Emploi hat im Rah­men eines europäi­schen Pro­jek­tes wert­volle Vorar­beit geleis­tet und eben einen Geset­zes­vor­schlag aus­gear­bei­tet wel­cher die Einfüh­rung genau die­ser “As­so­cia­tion d’inté­rêt col­lec­tif” vor­sieht. Ein Geset­zes­vor­schlag, der auf den oben bes­chrie­be­nen Wer­ten der Soli­dar­wirt­schaft auf­baut und den wirt­schaft­li­chen Rea­litä­ten Luxem­burgs Rech­nung trägt. Es hat uns gefreut zu lesen, dass die Regie­rung auf die­ser Basis auf­bauen will.

Ein zwei­ter Teil die­ser unse­rer Geset­zes­vor­schläge betrifft die Finan­zie­rung der Akti­vitä­ten der Soli­dar­wirt­schaft unter ande­rem durch die Einfüh­rung eines “Fonds pour l’Eco­no­mie Soli­daire”, wel­cher jenen Teil öffent­li­cher Gel­der betrifft, die wohl not­wen­dig sein wer­den um die Ent­wi­ck­lung zu beglei­ten. Es freut uns aber genau so sehr, dass jener Dis­kurs, den wir seit 10 Jah­ren füh­ren und wel­cher einer Misch­fi­nan­zie­rung die­ser Akti­vitä­ten eine abso­lute Prio­rität gab, nicht auf taube Ohren ges­tos­sen ist und, dass er jetzt in den Arbei­ten einer dies­bezü­gli­chen Arbeits­gruppe Auf­nahme fin­den wird.

“Hire Finan­ze­ment gëtt net exk­lu­siv vun ëffent­le­che Gel­der bes­trid­den. D’Soli­dar­wirt­schaft muss zum Deel och d’Moyensë mobi­li­séiere kën­nen déi aus dem nor­male Wirt­schafts­krees­laf kom­men.”

Diese Misch­fi­nan­zie­rung, zusam­men mit der Schaf­fung einer gesetz­li­chen Grund­lage, wel­che den Betrie­ben der Soli­dar­wirt­schaft sicher­lich Mögli­ch­kei­ten geben wird, darü­ber hinaus aber auch Aufla­gen ertei­len wird, sind ein Garant für die wei­tere Ent­wi­ck­lung einer neuen Gesell­schafts­form, wel­che den Men­schen wie­der in den Mit­tel­punkt rücken wird und wel­che sich sehr sch­nell in den “nor­ma­len Wirt­schafts­kreis­lauf” einfü­gen wird, indem sie ein­fach und ganz natür­lich dazu gehö­ren wird.

Auch wird das Gesam­ter­geb­nis über kurz oder lang dazu füh­ren müs­sen, dass die irr­sin­nige Dis­kus­sion um deloyale Kon­kur­renz end­lich ein Ende fin­det. Es wäre im Inte­resse des Lan­des und sei­ner Men­schen, lokal, regio­nal und daue­rhaft!

Luxem­burg kann ein bedeu­ten­der Weg­wei­ser in Europa wer­den für die Rück­kehr zu men­schli­chen Wer­ten, für die Rück­kehr zu soli­da­ri­schen Wer­ten, wel­che lange Zeit die Stärke Luxem­burgs und Euro­pas waren und lei­der nicht mehr sind, weil der glo­ba­li­sierte Wahn­sinn von allen Regie­run­gen die­ser Welt, oder von fast allen, zum ein­zi­gen und allei­ni­gen Glück­se­lig­ma­cher gewählt wurde.

Lie­ber Jean-Claude Jun­cker, wir waren ergrif­fen von die­sen Dei­nen Wor­ten und dan­ken Dir dafür, aber auch dafür, dass Du den Start­schuss gege­ben hast, vor 15 Jah­ren und uns somit die Mögli­ch­keit gege­ben hast, das ein­zu­lei­ten, was heute zu einem (fast) eigenstän­di­gen Minis­te­rium gewor­den ist und zum drit­ten Pfei­ler unse­rer Wirt­schaft wer­den wird, wenn nicht schon gewor­den ist.

Lie­ber Romain Sch­nei­der, wir waren, als Objec­tif Plein Emploi, Weg­be­rei­ter für eine enorme Auf­gabe, die jetzt vor Dir liegt. Es bleibt nicht dabei! Unse­rer Unterstüt­zung, Mitar­beit und unse­res Wis­sens kannst Du Dir sicher sein, heute und in Zukunft.

Diese Unterstüt­zung und Mitar­beit gilt der gesam­ten Regie­rung, weil sie, in irgen­dei­ner Form, sowieso und immer von dem betrof­fen sein wird, was ges­chieht.

Wir glau­ben mehr denn je daran!

Article modifié le lundi 14 novembre 2011, 16:49

Auteur: Christina Schürr

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Flëpp ·  25 août 2009, 15:38

Well ech selwer laang genuch dofir matgekämpft hun, fällt et mer nët weider schwéier, méng allgemeng Zefriddenheet driwer auszedrécken, datt d’Konzept vun der Economie Solidaire säi Nidderschlag an der Lëtzebuerger Politik fonnt huet. T’ass richteg an t’ass wichteg.

Allerdings war ech iwerrascht a skeptesch, wou ech den Interview vum Michèle Sinner mam frësch gebaackene Minister vun der Solidarwirtschaft am Lëtzebuerger Land vum ech-weess-nët-méi-wéivillte gelies hun. Bei allem Respekt fir de Schneidesch Rom, as daat, waat do geschriwe stung, en däitlecht Zeechen dofir, datt de Begrëff “Economie solidaire” nët fir jidereen di selwescht Bedeitung huet. Datt et nët nëmme mer esou gaangen as, weist di Stellungnahm vun denen zwee Häre Binsfeld a Biwer, déi hiere neie Minister, knapps as en am Amt, mussen driwer beléieren, datt d’Economie Solidaire vill méi as, wéi daat waat do an deem Artikel (oder am Koalitiounsaccord) steet. Well eben och d’Pfleegedingschter, d’Kanner- a Jugendbetreiung, d’Altersheimer, d’Behënnertendingschter, Deler vun der Landwirtschaft, dem Tourismus an der Kultur, den Emweltschutz an d’Regionalentwécklung, an nach honnertdausend aaner Domainer kënne? musse? sollen? zur Solidarökonomie gezielt gin. Un der Mammuthaufgab, fir déi Secteuren zesummen ze féieren an hier Siichtbarkeet an Unerkennung am Kader vun der Gesamteconomie ze erreechen as schon di rout-gring Koalitoun am Frankräich gescheitert, déi als eng vun denen éischte Regierungen weltwäit e Secrétaire à l’Economie solidaire agesaat haat (Enn d’lescht Jorhonnert).
Vläischt as d’Economie solidaire och guer kee Secteur, vläischt keng Auswiel vun Aktivitéite, mee eng Form vun der betrieblecher a gesellschaftlecher Gouvernance. An an deem Sënn als Deel vun enger nohalteger Politik éischter als transversal Aufgab vun alle Ministären unzegesin. Soit…
Nëmmen eng intensiv Kooperatioun a Solidaritéit tëscht alle potenziellen Acteuren aus der Economie solidaire (sociale et durable, muss een an dësem Fall wuel dobäifügen, soss fillen séch 99% nët betraff) wärt et méiglech machen, datt di heite Chance reell ka genotzt gin. Eng Erausfuerderung, déi nët op Regierungsniwo ugaange muss gin, mee um Niwo vun den Associatiounen, Kooperativen, Fondatiounen an aner méi oder wéiniger direkt Betraffenen.
Mer kënnen et hei besser mache wéi am Frankräich. Ech wënschen eis et…

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