Standpunkt von Romain Biever und Romain Binsfeld, geschäftsführende Vorstandsmitglieder von Objectif Plein Emploi
Publié le mardi 04 août 2009, 10:05 - Monde - Lien permanent
- Article
- |
- Commentaires(1)
- |
- Fichiers attachés(0)
Wach’ ich oder träum’ ich?
“Mir ginn der sougenannter Solidarwirtschaft een neie Stellewäert. Doduerch datt ee Minister, nämlech dee vun der Economie fir si zoustänneg gëtt, gi mer hir eng Unerkennung zu Lëtzebuerg déi se a wéinege Länner op der Welt huet.”
Am 29. Juli 2009 sind dies die Worte, die Premierminister Jean-Claude Juncker in seiner Regierungserklärung an die Abgeordneten richtet. 15 Jahre intensiver Anstrengungen und Forschungs- und Überzeugungsarbeit, die Objectif Plein Emploi und seinem Netzwerk weltweit Anerkennung gebracht haben im Bereich der Solidarwirtschaft, finden heute mit und in dieser Regierungserklärung die Anerkennung in unserem eigenen Land. Dank gebührt jenen, die uns dabei begleitet und unterstützt haben.
Objectif Plein Emploi beansprucht nicht für sich, alleiniger Vertreter der Solidarwirtschaft in Luxemburg zu sein, doch das Resultat dieser Regierungsbildung und - erklärung schreiben wir uns sehr wohl ins goldene Büchlein und wir werden vor allen Dingen auch nicht vergessen, wem wir es zu verdanken haben, ausser natürlich uns selbst.
“Doduerch datt een delegéierte Minister d’Solidarwirtschaft en charge hëllt weise mer datt mer dëse Politikberäich als eng wiesentlech Aufgab vun der Regierung begräifen.”
Lieber Freund Romain Schneider,
In Europa bist Du der erste überhaupt, der den Titel eines Ministers für Solidarwirtschaft trägt und deine Aufgabe wird keine einfache sein, das wissen wir. Einen dritten Pfeiler in unserem Wirtschaftssystem aufzubauen und ihm die Legitimität zu geben, die er verdient, wird von so manchen Steinen im Weg begleitet sein. Wir, als OPE, haben schon eine Menge Vorarbeit geleistet und finden diese auch in dieser Regierungserklärung wieder.
Solidarwirtschaft ist nicht gleich Beschäftigungsinitiative, wobei die Schaffung von Arbeitsplätzen sehr wohl eine ihrer Prioritäten ist. Dass diese Arbeitsplätze, die wir dauerhaft gestalten, von Menschen besetzt werden, die keine Arbeit haben, ist ein gewünschter und erhoffter Nebeneffekt.
Solidarwirtschaft ist jedoch auch der faire Handel, sind die ethischen Finanzen und die biologische Landwirtschaft, ist die soziale und gesellschaftliche Verantwortung der Betriebe, ist die Mitbestimmung in ihren Betrieben und die demokratisch aufgebauten Strukturen, die sie verwalten, dies alles im Respekt einer nachhaltigen lokalen und regionalen Entwicklung.
Nach dem Weltforum für eine globalisierte Solidarität dieses Jahr in Luxemburg, welches wir gemeinsam mit INEES organisiert haben, haben wir weiterhin gemeinsam Grosses vor:
Universitäten und Forscher im Bereich der Sozial- und Solidarwirtschaft zusammen zu bringen und die theoretische und wissenschaftliche Basis zu legen,
Eine Landkarte der bestehenden Netzwerke und Initiativen zu erstellen,
Die Ausbreitung der Solidarwirtschaft und ihren Beitrag zum nationalen Reichtum zu messen und -bescheiden waren wir ja schon immer – einen «pôle d’excellence européen» für die Solidarwirtschaft in Luxemburg anzusiedeln. Die Unterstützung einer Reihe von Universitäten und Forschungszentren im In- und Ausland sind uns dabei schon gewiss!
Den Grundstein dafür haben wir gelegt und die jetzige Regierung hat ihn zementiert. Zusammen wolllen wir darauf hin arbeiten, das Mauerwerk stabil zu gestalten und dem Ganzen ein anständiges Dach über dem Kopf zu schaffen.
Zu hoffen wäre ja auch und zu erwarten ist es sicherlich, dass die Bestandsaufnahme - die wohl notwendig sein wird und die leider in den letzten Jahren daran gescheitert ist, dass die Akteure sich im allerhöchstem Masse uneinig waren - zeigen wird, dass die Bedeutung der Solidarwirtschaft im luxemburgischen Wirtschaftsgefüge wesentlich grösser ist, als das was bisher angenommen und gemessen wurde oder werden konnte.
“Mir wëllen d’Solidareconomie juristesch encadréieren duerch d’Aféierung vun enger “Association d’intérêt collectif”. Dës nei juristesch Form wäert et méiglech maachen d’Solidarwirtschaft als dat drëtt Standbee vun eiser Wirtschaft ze begräifen.”
Objectif Plein Emploi hat im Rahmen eines europäischen Projektes wertvolle Vorarbeit geleistet und eben einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet welcher die Einführung genau dieser “Association d’intérêt collectif” vorsieht. Ein Gesetzesvorschlag, der auf den oben beschriebenen Werten der Solidarwirtschaft aufbaut und den wirtschaftlichen Realitäten Luxemburgs Rechnung trägt. Es hat uns gefreut zu lesen, dass die Regierung auf dieser Basis aufbauen will.
Ein zweiter Teil dieser unserer Gesetzesvorschläge betrifft die Finanzierung der Aktivitäten der Solidarwirtschaft unter anderem durch die Einführung eines “Fonds pour l’Economie Solidaire”, welcher jenen Teil öffentlicher Gelder betrifft, die wohl notwendig sein werden um die Entwicklung zu begleiten. Es freut uns aber genau so sehr, dass jener Diskurs, den wir seit 10 Jahren führen und welcher einer Mischfinanzierung dieser Aktivitäten eine absolute Priorität gab, nicht auf taube Ohren gestossen ist und, dass er jetzt in den Arbeiten einer diesbezüglichen Arbeitsgruppe Aufnahme finden wird.
“Hire Finanzement gëtt net exklusiv vun ëffentleche Gelder bestridden. D’Solidarwirtschaft muss zum Deel och d’Moyensë mobiliséiere kënnen déi aus dem normale Wirtschaftskreeslaf kommen.”
Diese Mischfinanzierung, zusammen mit der Schaffung einer gesetzlichen Grundlage, welche den Betrieben der Solidarwirtschaft sicherlich Möglichkeiten geben wird, darüber hinaus aber auch Auflagen erteilen wird, sind ein Garant für die weitere Entwicklung einer neuen Gesellschaftsform, welche den Menschen wieder in den Mittelpunkt rücken wird und welche sich sehr schnell in den “normalen Wirtschaftskreislauf” einfügen wird, indem sie einfach und ganz natürlich dazu gehören wird.
Auch wird das Gesamtergebnis über kurz oder lang dazu führen müssen, dass die irrsinnige Diskussion um deloyale Konkurrenz endlich ein Ende findet. Es wäre im Interesse des Landes und seiner Menschen, lokal, regional und dauerhaft!
Luxemburg kann ein bedeutender Wegweiser in Europa werden für die Rückkehr zu menschlichen Werten, für die Rückkehr zu solidarischen Werten, welche lange Zeit die Stärke Luxemburgs und Europas waren und leider nicht mehr sind, weil der globalisierte Wahnsinn von allen Regierungen dieser Welt, oder von fast allen, zum einzigen und alleinigen Glückseligmacher gewählt wurde.
Lieber Jean-Claude Juncker, wir waren ergriffen von diesen Deinen Worten und danken Dir dafür, aber auch dafür, dass Du den Startschuss gegeben hast, vor 15 Jahren und uns somit die Möglichkeit gegeben hast, das einzuleiten, was heute zu einem (fast) eigenständigen Ministerium geworden ist und zum dritten Pfeiler unserer Wirtschaft werden wird, wenn nicht schon geworden ist.
Lieber Romain Schneider, wir waren, als Objectif Plein Emploi, Wegbereiter für eine enorme Aufgabe, die jetzt vor Dir liegt. Es bleibt nicht dabei! Unserer Unterstützung, Mitarbeit und unseres Wissens kannst Du Dir sicher sein, heute und in Zukunft.
Diese Unterstützung und Mitarbeit gilt der gesamten Regierung, weil sie, in irgendeiner Form, sowieso und immer von dem betroffen sein wird, was geschieht.
Wir glauben mehr denn je daran!
Article modifié le lundi 14 novembre 2011, 16:49




Well ech selwer laang genuch dofir matgekämpft hun, fällt et mer nët weider schwéier, méng allgemeng Zefriddenheet driwer auszedrécken, datt d’Konzept vun der Economie Solidaire säi Nidderschlag an der Lëtzebuerger Politik fonnt huet. T’ass richteg an t’ass wichteg.
Allerdings war ech iwerrascht a skeptesch, wou ech den Interview vum Michèle Sinner mam frësch gebaackene Minister vun der Solidarwirtschaft am Lëtzebuerger Land vum ech-weess-nët-méi-wéivillte gelies hun. Bei allem Respekt fir de Schneidesch Rom, as daat, waat do geschriwe stung, en däitlecht Zeechen dofir, datt de Begrëff “Economie solidaire” nët fir jidereen di selwescht Bedeitung huet. Datt et nët nëmme mer esou gaangen as, weist di Stellungnahm vun denen zwee Häre Binsfeld a Biwer, déi hiere neie Minister, knapps as en am Amt, mussen driwer beléieren, datt d’Economie Solidaire vill méi as, wéi daat waat do an deem Artikel (oder am Koalitiounsaccord) steet. Well eben och d’Pfleegedingschter, d’Kanner- a Jugendbetreiung, d’Altersheimer, d’Behënnertendingschter, Deler vun der Landwirtschaft, dem Tourismus an der Kultur, den Emweltschutz an d’Regionalentwécklung, an nach honnertdausend aaner Domainer kënne? musse? sollen? zur Solidarökonomie gezielt gin. Un der Mammuthaufgab, fir déi Secteuren zesummen ze féieren an hier Siichtbarkeet an Unerkennung am Kader vun der Gesamteconomie ze erreechen as schon di rout-gring Koalitoun am Frankräich gescheitert, déi als eng vun denen éischte Regierungen weltwäit e Secrétaire à l’Economie solidaire agesaat haat (Enn d’lescht Jorhonnert).
Vläischt as d’Economie solidaire och guer kee Secteur, vläischt keng Auswiel vun Aktivitéite, mee eng Form vun der betrieblecher a gesellschaftlecher Gouvernance. An an deem Sënn als Deel vun enger nohalteger Politik éischter als transversal Aufgab vun alle Ministären unzegesin. Soit…
Nëmmen eng intensiv Kooperatioun a Solidaritéit tëscht alle potenziellen Acteuren aus der Economie solidaire (sociale et durable, muss een an dësem Fall wuel dobäifügen, soss fillen séch 99% nët betraff) wärt et méiglech machen, datt di heite Chance reell ka genotzt gin. Eng Erausfuerderung, déi nët op Regierungsniwo ugaange muss gin, mee um Niwo vun den Associatiounen, Kooperativen, Fondatiounen an aner méi oder wéiniger direkt Betraffenen.
Mer kënnen et hei besser mache wéi am Frankräich. Ech wënschen eis et…